In vielen Restaurants ist die Weinauswahl auf Rot, Weiß und eventuell Rosé beschränkt. Doch in anderen Lokalen kann die Weinkarte eine Herausforderung darstellen. Hier findet man nicht nur seltene Rebsorten, sondern auch besondere Kategorien wie Naturwein, Orange Wine und Qvevri-Wein. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird oft überrascht: Einige Weine sind trüb, andere leuchten in einem Bernsteinfarbton oder entfalten ungewöhnliche Aromen.
Ist Naturwein ein Trend?
Über den Begriff „Trend“ möchte Surk-ki Schrade, Betreiberin der Naturweinhandlung La Vincaillerie in Köln, nicht sprechen. Sie ist seit 2009 in der Naturweinszene aktiv und sieht diese als gewachsen, aber dennoch als Nische. Viele Menschen suchen nach einem naturnahen Wein, während andere auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen sind. „Es geht um die Machart und die Philosophie, nicht um einen spezifischen Geschmack“, erklärt sie. Naturwein ist im Grunde reiner, vergorener Traubensaft mit minimalem Schwefeleinsatz und ohne synthetische Pestizide.
Von klassisch bis außergewöhnlich im Geschmack
Die geschmacklichen Ergebnisse können sowohl klassischen Weinen entsprechen als auch davon abweichen. Schrade weist darauf hin, dass es auch vorkommen kann, dass Weine leicht muffig schmecken. In solchen Fällen hilft es, das Glas zu schwenken, was dem Lüften eines stickigen Raumes ähnelt. Als Schrade ihre Weinhandlung eröffnete, gab es in Deutschland noch kein Weingut, das Naturwein produzierte. Heute probieren jedoch immer mehr junge Winzer, diese Art der Weinherstellung zu etablieren.
Vielfalt in der Weinwelt
Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) begrüßt die wachsende Vielfalt: „So wird die Weinwelt bunter.“ Er bemerkt einen allgemeinen Trend hin zu mehr Natürlichkeit. In den 1980er-Jahren wurde Wein prozessintensiver hergestellt, während der Fokus heute mehr auf der Qualität im Weinberg liegt. Dies hat auch die Naturweinbewegung beeinflusst, die jedoch nicht die Kellerarbeit vernachlässigt. „Man spricht oft vom kontrollierten Nichtstun“, erklärt Büscher, was bedeutet, dass gelegentlich Eingriffe notwendig sind, um die richtige Richtung des Weins zu gewährleisten.
Einfluss des Ausbaus auf den Geschmack
Die Art des Ausbaus, ob im Stahltank oder Holzfass, beeinflusst ebenfalls den Geschmack des Weins. Die Maischestandzeit, also die Zeit, in der die gepressten Trauben mit dem Most in Kontakt sind, hat ebenfalls einen Einfluss. Bei Rotwein erfolgt nach einigen Tagen die Maischegärung, während für Rosé eine schnellere Trennung von Schalen und Most erfolgt. Bei der Herstellung von Weißwein wird der Most in der Regel sofort ohne längere Standzeiten gepresst.
Bernsteinfarbener Orange Wine
Ein besonders interessanter Wein ist der Orange Wine, der entsteht, wenn Weißweintrauben ähnlich wie Rotweine verarbeitet werden. Schrade hat beobachtet, dass viele Naturwein-Winzer in Deutschland diesen Stil bevorzugen. Der längere Kontakt mit den Schalen sorgt dafür, dass sich natürliche Antioxidantien, die Polyphenole, lösen. Ursprünglich war das Ziel, die Haltbarkeit zu erhöhen, indem der Schwefelgehalt reduziert oder ganz weggelassen wird.
Orange Wine vs. Naturwein
Trotz der Überschneidungen werden die Begriffe Natur- und Orange Wine oft fälschlicherweise synonym verwendet. Orange Wine hat jedoch ein klareres Geschmacksprofil mit Tanninen, die den Wein strukturieren. „Würzige, nussige oder oxidierte Noten überwiegen oft, anstelle der klaren Fruchtaromen“, sagt Büscher und empfiehlt diesen Wein zu Käse, leicht gekühlt, jedoch wärmer als Weißwein.
Tradition aus Georgien
Patrick Honnef, der lange Zeit in Bordeaux tätig war, entdeckte 2009 in Georgien den Orange Wine. Seine erste Erfahrung war nicht gerade positiv, doch inzwischen produziert er auf seinem Château Mukhrani selbst Orange Wine, der in Georgien als Amberwein bekannt ist. Dieser Wein hat eine lange Tradition in Georgien, wo seit über 8000 Jahren Weinbau betrieben wird, weshalb das Land als „Wiege des Weins“ gilt.
Qvevri-Wein: Ein weiterer Spezialität
Georgien ist auch bekannt für Qvevri-Weine, die in speziellen Tongefäßen hergestellt werden. Diese Weine bieten eine große Aromenvielfalt, die sich ständig weiterentwickelt. Honnef vergleicht den Genuss eines solchen Weins mit der Betrachtung eines guten Gemäldes, wo man immer wieder neue Details entdeckt.
Fazit
Experten sind sich einig, dass Orange- und Amberweine als eigene Kategorie neben Rot, Weiß und Rosé stärker etabliert werden sollten, um traditionelle Geschmackserwartungen zu hinterfragen. Sowohl Orange- als auch Naturweine greifen auf Geschmäcker zurück, die eine lange Tradition haben und derzeit wiederentdeckt werden.
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