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Wie man die Tage nach einer Weisheitszahn-OP gut übersteht

Wie man die Tage nach einer Weisheitszahn-OP gut übersteht

Wenn Weisheitszähne raus müssen, beginnt oft das große Zittern. Diese Angst ist aber oft unnötig. Zwei Experten erklären, was Patienten nach der OP erwartet.
Machen die Weisheitszähne Probleme, müssen sie raus - ein Termin, vor dem viele Betroffene Angst haben. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Markus Scholz/dpa-tmn)

Weisheitszähne brechen meist erst im Erwachsenenalter durch – oft zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Und nicht jeder Mensch hat sie: Manche Menschen entwickeln vier Weisheitszähne, andere nur einen oder zwei, und bei manchen wachsen gar keine. 

Das Problem: Unsere Kiefer sind heute kleiner als früher. Deshalb haben die Weisheitszähne oft keinen Platz mehr im Mund. Sie können schief wachsen, im Kiefer stecken bleiben oder andere Zähne verdrängen. Dann verursachen sie Schmerzen, Entzündungen oder Probleme beim Kauen – und müssen entfernt werden.

Wie verläuft die Entfernung?

Wie aufwendig die Entfernung ist, hängt davon ab, wie der Weisheitszahn im Kiefer liegt. «Hat sich der Weisheitszahn regulär in die Mundhöhle einsortiert, ist die Entfernung oft ohne OP möglich», sagt Martin Ullner, Oralchirurg und Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Oralchirurgen. Der Zahn kann dann ähnlich wie andere Zähne gezogen werden. 

Schwieriger wird es, wenn der Weisheitszahn im Kieferknochen steckt – Fachleute nennen das «retiniert». Dann muss der Arzt das Zahnfleisch aufschneiden und manchmal auch etwas Knochen abtragen, um an den Zahn heranzukommen. «Sind die Weisheitszähne trotz ihrer vollständigen Entwicklung nicht am vorgesehenen Platz im Gebiss durchgebrochen, ist die Entfernung eine Belastung für den Körper», erklärt Ullner. Entsprechend länger dauert danach auch die Heilung.

Welche Beschwerden sind normal?

Typische Beschwerden einer Weisheitszahn-OP sind: 

  • Schwellung rund um den gezogenen Zahn und im angrenzenden Gesichtsbereich
  • Schmerzen
  • Einschränkung der Mundöffnung
  • leichte Nachblutungen

«Sie treten vermehrt im Unterkiefer und nicht so sehr im Oberkiefer auf», sagt Ullner. «Doch der behandelnde Arzt kann das durch operatives Geschick beeinflussen.» Zudem könne er mit vor der OP verabreichten Medikamenten Schwellung und Schmerzen gut reduzieren. 

Wie lange dauert die Heilung?

Rund eine Woche braucht in der Regel der gesamte Regenerationsprozess, sagt Ullner. «Die erste Schmerz- und Entzündungsphase dauert bis zum dritten Tag nach der OP und ist meist der Grund für anhaltende Beschwerden. Denn Schwellung und Schmerzen gehen oft Hand in Hand.» Danach beginnen die Abschwellphase und der Heilungsprozess. Fortan gehe auch die Kieferklemme zurück. «Bei jugendlichen Patienten schreitet der gesamte Umbauprozess zügiger voran.»

Was muss ich bei Schmerzmitteln beachten? 

Nicht alle Schmerzmittel eignen sich. «Nach der OP kein Aspirin nehmen», sagt Prof. Christoph Benz von der Bayerischen Landeszahnärztekammer. In diesem Fall wirke der Wirkstoff ASS nicht intensiv genug und könnte die Blutgerinnung beeinflussen. 

Paracetamol und Ibuprofen dagegen funktionieren gut. «Fragen Sie aber immer Ihren Arzt.» Denn zum Beispiel bei einem Magengeschwür kann es mit einem Antirheumatikum, also mit Ibuprofen, zu Problemen kommen. «Die möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind entscheidend.» 

Was ist beim Kühlen wichtig? 

Auch Kühlen kann gegen die Schmerzen helfen. Hierbei gilt, was der Arzt nach der OP empfiehlt. Ist das Gewebe verletzt und traumatisiert, reagiert es mit einer stärkeren Durchblutung und Schwellung. «Dann ist eine Kühlung sinnvoll», sagt Benz. Erst muss die Wirkung der OP-Betäubungsspritze nachlassen, danach «sollte das Kühlpad oder die Eiswürfel-Packung mit Stoff ummantelt sein, sonst droht eine Unterkühlung», sagt Christoph Benz. 

Um dieses Paket am Kopf zu montieren, braucht es Kreativität. «Vielleicht mit einem Tuch von jemandem um den Kopf binden lassen. Oder sich auf dem Sofa auf die Seite legen, damit das Kühlpad so gehalten wird.» Auch sei eine Intervallkühlung mit 10 Minuten Pad, 10 Minuten Ruhe sinnvoll. «Klingt nach drei Stunden die Schwellungsphase ab, kann man aufhören.»

Wann darf ich wieder essen und trinken? Und was? 

Etwa 90 Minuten nach der OP, wenn die Wirkung der Betäubungsspritze nachgelassen habe, könne der Patient laut Martin Ullner mit weicher Kost starten, bei der er nicht kauen und die Zunge nicht viel hin- und herschieben müsse. Kartoffelbrei und pürierte Suppen seien ideal, ebenso klare Brühen mit Gemüse. 

Eine zu heiße Mahlzeit aber könnte die Wunde irritieren. Ebenfalls ungünstig: Kohlensäure und Koffein. Kamillentee dagegen wirke heilend. «Milchprodukte nach einer OP sind umstritten, da die Milchsäure die Blutgerinnung und die Wundheilung beeinflussen kann», sagt Ullner. Er empfiehlt zur Sicherheit für die ersten drei Tage darauf zu verzichten. «Konnte die Wunde aber speicheldicht zugenäht werden, spielt das keine große Rolle.»

Worauf sollte ich bei der Zahnpflege achten? 

Innerhalb der ersten drei Tage ist Vorsicht geboten. Für die gereizten Stellen empfiehlt Martin Ullner eine weiche Zahnbürste. Bis die Schwellung abheilt, hilft auch eine Mundspülung aus der Apotheke nach dem Essen. Sie hält die Wunde sauber und kann Entzündungen vorbeugen. «Die anderen Zähne sollte man normal pflegen, da eine saubere Mundhöhle die Heilung fördert», so der Chirurg.

Wie sieht es mit Sport aus? 

Direkt nach der OP Sport zu machen, treibt nur unnötig den Blutdruck hoch. Und die Erschütterungen beim Laufen verstärken den Schmerz», sagt Christoph Benz. Deswegen sollte man mindestens zwei Tage pausieren. «War die OP komplizierter, sollte man sich länger schonen.» Das gelte vor allem, wenn genäht werden musste. «Dann sieht man im Kiefer diese schwarzen Streifen.»

Bei welchen Beschwerden sollte ich Kontakt zu Arzt oder Ärztin aufnehmen? 

In den meisten Fällen verläuft die Heilung problemlos. Doch manchmal entwickeln sich Komplikationen. «Nehmen die Schmerzen oder die Kieferklemme über mehr als drei Tagen zu oder treten diese verzögert nach mehreren beschwerdearmen Tagen mit zunehmenden Schluckbeschwerden oder einem Druckschmerz im Unterkiefer und Halsbereich auf, sollte man den behandelnden Arzt kontaktieren», empfiehlt Ullner. 

Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber sei ein Alarmsignal für eine Infektion. In seltenen Fällen kommt es nach der OP zu sehr starken Einschränkungen des Allgemeinbefindens. Der Patient fühlt sich krank, ist nicht mehr belastbar oder kann alltägliche Dinge nicht selbstständig erledigen. «Dann sollte eine stationäre Einrichtung zur Abklärung aufgesucht werden.»